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Tyrese Haliburtons Rückkehr weckt Hoffnung und Erwartungen in Indiana

Tyrese Haliburton ist mit den Indiana Pacers nach seiner Achillessehnenverletzung zurückgekehrt. Beim Vorbereitungsspiel am 7. Oktober gegen die Minnesota Timberwolves stand der zweifache All-Star 16 Minuten auf dem Parkett, erzielte sieben Punkte und gab sechs Assists beim 123:112-Sieg. Es war sein erster Einsatz seit dem Riss der rechten Achillessehne im siebten Spiel der NBA-Finals 2025.

Der Schweiss aus Haliburtens Pacers-Trikot hatte sich fast sofort in sein blaues Aufwärmshirt gesogen. 16 Monate lang hatte der Aufbauspieler auf der Ersatzbank geduldig gewartet, dann immer ungeduldiger, bis er es kaum mehr aushielt, endlich Minuten in einem NBA-Spiel zu bestreiten. Am 7. Oktober war es so weit.

Die Pacers spielten in Ames, Iowa, an der Iowa State University, Haliburtens Alma Mater. Für ihn war es ein doppeltes Heimspiel. Es war seine erste Partie in der Halle seines College-Teams seit sechs Jahren. Studierende hatten schon am Abend zuvor angestanden, um einen Platz im Studentenblock zu ergattern und ein gelbes Shirt mit seinem Gesicht und dem Schriftzug «Cyclone Hali» zu bekommen.

Mit 4:27 Minuten Restzeit im ersten Viertel der Vorbereitungspartie genoss Haliburton einen besonderen Moment: seine erste Pause. «Ich war verdammt müde», sagte er lachend nach dem Spiel. «Aber trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl: Mensch, ich spiele wieder.»

Beim ersten Ballbesitz der Pacers warf der nervöse Haliburten einen Pass ohne hinzuschauen zu Andrew Nembhard, der ins Aus ging. Beim nächsten Angriff spielte er ein 2-gegen-1 mit Pascal Siakam und schloss es mit einem Crossover und einem Sprungwurf aus rund 4,5 Metern ab. Es war sein erster Korb seit mehr als einem Jahr.

Die Begeisterung trug ihn durch seine 16 Minuten Einsatzzeit. «Ich habe meine eigenen inneren Erwartungen», sagte Haliburton. «Aber unser Ziel ist es, die Meisterschaft zu gewinnen. Daran hat sich nie etwas geändert.»

Ein Rückkehrer mit hohen Erwartungen

Die Saison der Pacers und der Weg der Franchise zurück in die Spitze hängen stark von diesen Erwartungen ab. Als Haliburton zuletzt gesund war, sorgte er mit einer der grössten Playoff-Serien der NBA-Geschichte für Aufsehen. In jeder der vier Runden der Playoffs 2025 traf er einen Korb, der das Spiel ausglich oder entschied.

Die Pacers führten im ersten Viertel des siebten Finalspiels in Oklahoma City, bis sich Haliburton die Achillessehne riss. Danach sicherten sich die Thunder den Titel. Während Haliburton die Saison 2025/26 mit der Reha verbrachte, gewannen die Pacers nur 19 Spiele.

Damit gehören die Pacers zu den rätselhaftesten Teams vor der Saison 2026/27. Obwohl sie 2024 und 2025 jeweils die Conference-Finals erreicht hatten, werden sie laut dem Basketball Power Index nur 42 Siege zugetraut. Damit rangieren sie im Osten auf Platz 10.

«Ich schaue mir das nicht zu sehr an», sagte Haliburton. «Unser ganzes Team kann das nachvollziehen. Wir haben alle auf die eine oder andere Weise so gefühlt.»

Die Pacers sind das letzte Team, das die amtierenden Meister, die New York Knicks, in einer Playoff-Serie besiegt hat. Im Osten ist die Konkurrenz nun stärker als zu der Zeit, als Haliburton das Team verliess. Er will beweisen, dass die Pacers wieder an die Spitze zurückkehren können.

«Diese Magie wieder zu finden, ist keine Garantie», sagte Pacers-General-Manager Chad Buchanan. «Aber unsere Kernspieler glauben aneinander. Sie haben das Gefühl, dass die Leute sie schon abgeschrieben haben. Genau das ist in den zwei Jahren passiert, in denen wir weit kamen: Die Leute haben uns einfach beiseitegeschoben. Das treibt sie an.»

Gelb-blau statt blau-gelb

Die Null in der Mitte des Trikots war orange, passend zur Einfassung eines Trikots, das in der Mitte blau getönt war. Als Haliburton das Blatt Papier in die Hand nahm, schüttelte er verächtlich den Kopf.

«Wer hat das gezeichnet?», fragte er. «Orange und Blau auf einem Pacers-Trikot?»

«Knicks-Farben», sagte seine Frau Jade mit einem wissenden Lächeln.

Noch einige Wochen vor dem Trainingslager besuchte das Ehepaar Haliburton Kinder im Peyton Manning Children’s Hospital in Indianapolis. Haliburton war dort als Botschafter des Indiana Donor Network, um für Organspenden zu werben. Die fünf Kinder, die dabei waren, hatten alle eine Nierentransplantation erhalten.

Am Tisch sassen Haliburton und die Kinder, einige davon erst sechs Jahre alt, und malten Bilder aus. Sofort entstand eine lebhafte Diskussion.

«Was ist eure Lieblingsfarbe?», fragte Haliburton seine Tischnachbarn und löste damit eine muntere Debatte aus.

«Rot!», rief ein Kind. «Blau!», sagte ein anderes. «Gelb!»

«Regenbogen!», meinte ein weiteres und entfachte damit eine Diskussion darüber, ob alle Farben als eine einzige Farbe gelten können. Es bestand darauf, dass dies möglich sei.

«Aber gibt es auch einen Regenbogenstift?», fragte Haliburton und stellte die Frage wie einen schachmatt setzenden Zug. Als er sagte, seine Lieblingsfarbe sei Grau, wichen die Kinder entsetzt zurück. «Das hört ihr nicht oft, oder?», sagte er lächelnd.

Ein Jahr in Indianapolis

Haliburton verbrachte einen grossen Teil des vergangenen Jahres in Indianapolis und stürzte sich in solche Projekte. Frühsommer half er den Pacers, ihr Wohltätigkeits-Softballspiel neu zu beleben, bei dem Spieler der Indianapolis Colts und der Indiana Fever mitwirkten. Das Victory Field, ein Triple-A-Baseballstadion mit 12’000 Plätzen im Stadtzentrum, war voll besetzt.

Haliburtens Verbindung zum Mittleren Westen ist tief. Er wurde in Wisconsin geboren, lernte seine Frau in Ames kennen und machte ihr dort einen Heiratsantrag. Seit ihn die Pacers 2022 eintauschten, ist seine Bindung zur Region nur noch gewachsen.

Deshalb engagiert er sich so stark in der Gemeinschaft.

«Heute sehe ich das Leben anders», sagte Haliburton. «Ich bin einfach dankbar, wieder Basketball spielen zu können und all die verschiedenen Dinge in der Gemeinschaft zu tun, die ich tun kann. Denn wenn so etwas passiert, zieht das ganze Leben in Sekunden an dir vorbei.»

Bei seinem ersten Urlaub, wenige Monate nach der Operation, konnte er kaum die Treppe im gemieteten Haus hinuntergehen. Beim Abreisen brauchte er Hilfe. Sein Chirurg hatte ihn gewarnt, doch die Realität traf ihn trotzdem hart. Er weinte unter der Dusche.

«Damit klarzukommen, dass man von ganz oben in Sekundenschnelle in das komplette Gegenteil stürzt, war schwer», sagte Haliburton.

«Es ist so verrückt, das zu sagen, denn es ist eine Basketballverletzung, und egal was passiert … es gibt eine Zeitspanne dafür. Du weisst, dass du in dieser Zeit wieder gesund wirst. Wir haben die besten Ärzte der Welt, die besten Therapeuten, all das. Du weisst, dass es dir wieder gut gehen wird, aber es ist eine beängstigende Sache.»

Den grössten Teil der Reha verbrachte er in Indianapolis. An Spieltagen, zu Hause wie auswärts, sass er auf der Bank, selbst als die Saison immer schlechter lief. Mitten in der Reha erkrankte er zudem an Gürtelrose. Die Medikamente machten ihn schwer: Er nahm 30 Pfund zu und litt unter starken Gesichtsschwellungen. Die Krankheit, die sehr ansteckend ist, hielt ihn von seinen Teamkollegen an der Seitenlinie fern. Es war ein weiterer Rückschlag in einer langen Saison.

«In der Liga ist es besonders bei einem Star, der verletzt ist, so, dass die Spieler für das nächste Jahr manchmal ihren eigenen Plan verfolgen, nach dem Motto: Ich muss einfach tun, was für mich richtig ist», sagte Buchanan. «Ty ist nicht so gestrickt. Ty weiss, was das Team von ihm braucht, und nicht, was er für das Team tun muss.»

Während der einsamen und mühsamen Reha schaute er gelegentlich alte Highlights an.

«Nur um etwas zu spüren», sagte er. «Früher konnte ich das. Ich vermisse dieses Gefühl.»

Er sah sich sogar die Finals 2025 noch einmal an, wie er sagte. Dabei konzentrierte er sich auf Spiel 4. Die Pacers führten damals 2:1, doch die Thunder kämpften sich in der zweiten Halbzeit aus einem zweistelligen Rückstand zurück. Shai Gilgeous-Alexander erzielte 15 seiner 35 Punkte in den letzten 4:38 Minuten.

«Spiel 4 wird für immer in meinem Kopf bleiben», sagte Haliburton. «Wenn man dieses Spiel gewinnt, ändert sich die ganze Serie.»

Der Gedanke begleitete ihn, als er die bisher schlechteste Saison der Franchise-Geschichte miterlebte. Er merkte, dass sich viele Gespräche über die Probleme der Pacers um ihn drehten, um seine Verletzung, seine Reha und seine Rückkehr.

«Jeder hat das Gefühl, dass der Sommer sehr lang ist», sagte Haliburton. «Nun, ich habe dieses Gefühl seit doppelt, dreimal so langer Zeit wie alle anderen.»

Die Pacers wollen die letzte Saison nicht vergessen

Haliburton will nicht, dass die Pacers die letzte Saison vergessen. Indiana beendete sie mit den wenigsten Siegen der Franchise-Geschichte. Das Team wurde früh von Verletzungen dezimiert und versuchte ab der zweiten Saisonhälfte, sich einen besseren Draft-Pick zu sichern. Am Ende wirkte die Mannschaft wie ein Schatten jener, die in die Finals eingezogen war.

«Man kann unsere Prognosen als Respektlosigkeit auffassen, aber man muss auch verstehen, dass wir uns durch unsere Spielweise im letzten Jahr selbst in diese Lage gebracht haben», sagte Haliburton. «Es gab Standards, die wir nicht erfüllt haben, und dahin müssen wir zurück. Und es ist kein Geheimnis, dass es letztes Jahr einen deutlichen Einbruch gab.»

Das Trainingslager stand ganz im Zeichen, diese Gewohnheiten wieder aufzubauen.

Am Abend vor dem ersten Trainingstag traf sich die Mannschaft bei Buchanan zu Hause, auf dem Parkett seines Hallenplatzes. Das ist seit vier Jahren eine Tradition, ein Moment, in dem die Pacers ihre Prioritäten für die Saison festlegen.

Cheftrainer Rick Carlisle beklagte, wie lang der Sommer gewesen war. Seit dem letzten Spiel im April waren 5½ Monate vergangen, und das letzte Spiel mit etwas auf dem Spiel stand, lag noch länger zurück.

«Zurückgewinnen» wurde während der Sitzung zum Schlüsselwort.

Carlisle betonte, wie wichtig Haliburtens Rückkehr sei, warnte aber davor, ihn als Retter zu sehen.

«Wir sind ein Team, das sehr aufeinander angewiesen ist», sagte Carlisle vor dem Spiel in Ames letzte Woche. «Eines der Dinge, die uns in den zwei sehr guten Jahren zu einem besonderen Team gemacht haben, war unser Zusammenhalt, unser Ökosystem und die gegenseitige Abhängigkeit.

«Wir werden immer besser sein als die Summe unserer Teile.»

Der Kern der Pacers ist grösstenteils gleich geblieben: Haliburton, Siakam, Nembhard und Aaron Nesmith. Ivica Zubac wurde jedoch geholt, um den abgewanderten Myles Turner zu ersetzen. Der Transfer kurz vor der Trade-Deadline kostete Indiana den fünften Draft-Pick.

Laut Teamkreisen sind die Pacers überzeugt, dass der Deal ihnen hilft, ihr Titelfenster wieder zu öffnen. Sie erkennen aber auch an, dass Zubac, der näher am Korb spielt, andere Stärken mitbringt als Turner, ein Center, der die Verteidigung mit Dreiern auseinanderzieht.

«Wir haben einen grossartigen Trainer, der Lösungen findet», sagte Buchanan. «Das ist eine seiner Stärken. Wenn es nicht gut läuft und wir nicht gut spielen oder [Zubac] nicht gut passt, passt er sich an.»

Die Abstimmung mit Zubac könnte Zeit brauchen, ebenso das Zusammenspiel mit Haliburton. Im Pick-and-Roll hatten sie zu Beginn der Vorbereitung Mühe mit dem Timing. Haliburton umspielte die Ecke oft, bevor sein neuer Center den Raum zum Abrollen hatte.

«Er ist so ungeduldig, es allen zu beweisen. Er hasst es, dass die Leute sagen, er müsse geduldig sein. Das hasst er», sagte Buchanan. «Er sagt: ‹Ich war 16 verdammte Monate draussen. Ich bin bereit zu spielen.› Er ist offensichtlich sehr selbstbewusst, aber ich denke trotzdem, dass er Zeit braucht, um seine Füsse, seinen Rhythmus und sein Gefühl wiederzufinden.»

Das Gefühl kehrt zurück

Haliburton bewegte sich zeitweise wie früher, doch im ersten Spiel nach der Rückkehr zeigten sich die Anpassungsschwierigkeiten deutlich.

Er verglich sich mit einem Rookie, der zu schnell spielt und langsamer werden muss, damit die Offensive ihren Rhythmus findet. Im Spiel verdrehte er sich das rechte Sprunggelenk und setzte das nächste Vorbereitungsspiel aus. Eine MRT-Untersuchung bestätigte jedoch, dass seine Achillessehne nicht betroffen war.

«Ich war heiss darauf, dort draussen zu sein, aufgeregt, aber ich muss einfach etwas langsamer werden», sagte er. «Bei mir und bei unserem Team gibt es noch viel zu verbessern. Aber ich freue mich einfach, wieder auf dem Parkett zu stehen.»

Mehrere Momente in der Halle diesen Sommer gaben ihm Zuversicht.

Ende Juli, 13 Monate nach der Operation, prellte er den Ball einmal und warf ihn in Richtung Korb. Als er hinterherrannte, prallte der Ball kurz vor dem Korb ab. Der Schwung trug Haliburton fast so hoch wie seit Jahren nicht mehr. In der Luft führte er den Ball zwischen den Beinen hindurch und dunkte mit der rechten Hand, während die Staffmitglieder der Pacers gemeinsam aufschrien.

Am lautesten schrie aber Haliburton selbst und liess damit mehr als ein Jahr angestauten Frust heraus.

Er hatte mit Erik Huddleston, dem Kraft- und Konditionstrainer der Pacers, gewettet: Würde er den Dunk schaffen, dürfte er sein Training nach der Einheit auslassen.

Diesen Dunk hatte Haliburton seit seinem Rookie-Jahr, als er 20 Jahre alt war, nicht mehr regelmässig gezeigt.

Später postete er ein Video des Dunks in seinen sozialen Netzwerken. Die Botschaft an den Rest der Liga war unmissverständlich.

Der Dunk stand für Haliburtens spektakuläre Rückkehr, doch ein stiller Moment einen Monat später sendete ein noch lauteres Signal.

Vor Saisonbeginn hielten die Pacers ein Minicamp in Los Angeles ab.

Während eines Scrimmages fiel Haliburton zu Boden. Ein paar Monate zuvor wäre es in der Halle ganz still geworden, alle hätten darauf gewartet, dass er wieder aufsteht, wie in jener Nacht in Oklahoma City.

Diesmal geschah nichts Besonderes. Er stand auf. Das Spiel ging weiter.

«Das», sagte er, «gibt mir das Gefühl, wieder normal zu sein.»

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